Montag 19. Dezember 2011
fand die Veranstaltung

<<Hospize sind behütete
Orte>>
mit Luise Thut,
Ehrenpräsidentin und Gründerin des
Aargauer Hospiz-Vereins,
statt

Der
innigste Wunsch der Hospiz-Gründerin
Sie
ist eine Zeitzeugin: 1994 gründete Luise Thut den Aargauer
Hospiz-Verein zur Begleitung Schwerkranker (AHBS). Im Rahmen einer
vom Aargauer Kuratorium und der Stadt Aarau unterstützen
Veranstaltungsreihe „Zeitzeugen gegen Gleichgültigkeit und
Vergessen“ stand sie Elisabeth Gusdek Petersen in der Aula der
Alten Kantonsschule Rede und Antwort.
In
einem Alter, in dem andere ihre Rente geniessen, baute Luise Thut
ein auf Freiwilligen-Basis begründetes Werk auf, das in der
Schweiz einmalig ist. Aufmerksam auf die Hospiz-Organisation wurde
sie wegen der Krebserkrankung ihrer besten Freundin. Nach deren
Tod erwachte in der charismatischen Frau ein „burning desire“, im
Aargau etwas Ähnliches aufzubauen. Gedacht, getan: In Florida
absolvierte sie Anfang der 1990er-Jahre eine mehrjährige
Ausbildung als Hospizleiterin. Sie lernte auch Pionierinnen der
Hospiz-Bewegung kennen: Elisabeth Kübler-Ross, die mit ihren
Büchern Sterben und Tod zu einem öffentlichen Thema machte, und
Cicely Saunders, die 1967 in London das erste moderne Hospiz
eröffnete.
Mit unerschütterlichem Optimismus und viel Hartnäckigkeit
begeisterte Luise Thut in der Region Bremgarten, wo sie zusammen
mit ihrem Mann seit Jahrzehnten wohnt, Bekannte und Freundinnen
für ihre Idee. 1994 wurde der Aargauer Hospiz-Verein zur
Begleitung Schwerkranker gegründet. Das unentgeltliche ambulante
Betreuungsangebot für Schwerkranke wurde im Aargau rasch bekannt.
Im Jahr 2000 konnte der erste von vier offenen Trauertreffs
eröffnet werden für Menschen, die Verluste betrauern. Ein weiterer
wichtiger Meilenstein wurde fünf Jahre später mit der Eröffnung
des stationären „Hospiz an der Reuss“ gelegt. Da das Pflegezentrum
Reusspark den Platz im Kloster Gnadenthal selber benötigte, zog
der AHBS nach Brugg: Seit Herbst 2010 bietet das Hospiz Aargau
Palliative Care im Gebäude des Medizinischen Zentrums sechs
Pflegebetten an.
Luise Thut beantwortete die Fragen der Moderatorin ausführlich und
mit viel Fachwissen. Sterbegleitung sei zwar nicht immer einfach
und erfordere bedingungslose Liebe. Doch alle, die sich für diese
ehrenamtliche Arbeit engagieren, fühlten sich reich beschenkt. Sie
wies auf die strengen Auswahlkriterien, die qualifizierte
Ausbildung und Begleitung hin, die vom AHBS seit Anbeginn
angeboten wird. Mit viel Esprit flocht sie Bonmots der streitbaren
Elisabeth Kübler-Ross ein, von der sie gelernt habe, den Tod nicht
zu fürchten und sich und ihren Idealen immer treu zu bleiben. Mit
Schmunzeln vernahm das Publikum auch, dass Dame Cicely Saunders
einen doppelten Wiskey der britischen „tea time“ vorzog.
Nach dem innigsten Wunsch befragt, äussert die
Pionierin: „Viele Freiwillige, sie sind das Herz des AHBS - und
Spenden, weil das Hospiz keine öffentlichen Gelder erhält. Da das
Hospiz im amtlichen Sinne eine Pflegestation ist, deshalb hoffe
ich auch, dass es vom Gesundheitsdepartement bald in die
Pflegeheimliste aufgenommen wird.“ Gemäss Hospiz-Philosophie ist
Hospiz Aargau Palliative Care aber mehr als nur Pflegestation: „Es
ist ein Zufluchtsort für Menschen, die keine Spitzenmedizin
benötigen, sondern hier schmerzfrei, selbstbestimmt und in Würde
bis zuletzt leben dürfen.“
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